Rezensionen

Rezensionen von Notenausgaben zeitgenössische Orgelmusik:
Schwerpunkt Gerd Zacher (1929-2014)

Vor einem Jahr verstarb der Essener Orgelprofessor und Komponist Gerd Zacher. Durch sein langjähriges Wirken als Organist regte er Komponisten wie Cage, Ligeti und Schnebel zu Kompositionen für die Orgel an. Sein Werk wird seit einiger Zeit bei der „edition gravis“ herausgebracht. Auf zwei Veröffentlichungen aus seinem Umfeld sei verwiesen.

Gerd Zacher: Vocalise (1971) für Orgel, edition gravis 1983. Die Komposition „Vocalise“ wurde im Dezember 1971 komponiert und gehört zu den eindringlichsten und konsequentesten Stücken Gerd Zachers. Obwohl die Musik keineswegs dramatisch oder aufwühlend ist, zeigt sie einen klar ausgeführten kompositorischen Gedanken: Das Schwellwerk der Orgel gerät in den Mittelpunkt musikalischer Arbeit.

Um den Hörer darauf zu konzentrieren, lässt Zacher einen gespiegelten sechstönigen Akkord nahezu durchgehend in der linken Hand im „Grand jeu“ des Schwellwerks liegen. Eine eigene Rhythmuszeile in der Mitte gibt die Bedienung des Schwellpedals an. Hinzu kommen musikalische Elemente der rechten Hand, die von Akkorden, Einwürfen bis hin zu Melodiefragmenten reichen.

Es handelt sich um ein mittelschweres Stück mit einer Dauer von ungefähr 6 Minuten, dass auch auf einer kleineren Orgel mit Schwellwerk gut zu bewältigen ist, da nur zwei Manuale verlangt werden. Wenngleich die polyphone Handschrift Zachers die Einstudierung nicht immer vereinfacht, ist die Musik in jedem Fall lohnend für Liturgie und Konzert.

Juan Allende-Blin: Transformations II (1952) für Orgel. edition gravis. eg 2199. Wegbegleiter Zachers ist der in Essen lebende Komponist Juan Allende-Blin. Sein kurzes Stück „Transformations II“ stammt aus der seriellen Epoche der Musik. Jeder Ton soll einen eigenen Charakter bekommen, obwohl das auf der Orgel kaum möglich ist. Deshalb wird alles dafür getan, dass der Eindruck eines bunten Kalaidoskops unterschiedlicher Farben entsteht. Zunächst ist das Stück fast einstimmig und erinnert damit an einige Passagen aus dem ein Jahr zuvor entstandenen „Livre d‘ orgue“ von Olivier Messiaen.

Die Einstimmigkeit wird bei Allende-Blin durch sich aufbauende Liegetöne konterkariert. Die Musik erinnert deshalb stärker an orchestrales Denken als bei Messiaen, der die Stimmen oft in der Einstimmigkeit belässt. Die Tondauern wechseln zwischen extrem langen Tönen und Gruppen aus schnellen Tupfern. Die Musik ist mittelschwer bis schwer und dauert nur knapp 3 Minuten.

Für beide Werke kann der Interpret kann auf Einspielungen von Gerd Zacher beim Label Cybele zurückgreifen.

Dominik Susteck