Interview

Interview mit dem Orkan-Quartet

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– Welchen besonderen Einfluss hatte die Stadt Köln für Ihr Zusammentreffen und für die Gründung des Orkan Quartet?

Eigentlich, hatte die Stadt Köln kein Einfluss auf unsere Zusammentreffen, sondern sind wir alle vier in diese Stadt gezogen, damit wir bei Prof. Gauthier, einem der wichtigsten Persönlichkeiten in der Saxophon-Welt, studieren können. Er hat uns vier zusammengebracht, um ein Quartett zu gründen, und deswegen sind wir ihm sehr dankbar. Aber man muss schon sagen, dass die Stadt Köln uns inspiriert hat. So eine multikulturelle Stadt hat uns viele neue Ideen gegeben: Wir haben zum Beispiel in einer Fotogallerie, einer Disco und sogar in einem Biergarten klassische und zeitgenössische Musik gespielt, was für uns ganz neu war.

-Im Orkan Quartet spielen je zwei gebürtige Spanier und Franzosen. Welche Atmosphäre entsteht durch diese Begegnung, menschlich wie musikalisch?

Durch die räumliche Nähe haben wir viele Gemeinsamkeiten. Unsere Muttersprachen sind zu Beispiel ähnlich, was der Kommunikation sehr viel geholfen hat, als wir noch nicht so gut Deutsch sprechen konnten. Musikalisch sind wir auch ähnlich, die alten Lehrer von Lois und Eloy haben in Frankreich studiert. Wir stammen aus den Gebieten Galizien, Katalonien, Aquitanien und Britannien mit einer jeweils einzigartigen Identität. Dadurch haben wir viel voneinander zu lernen. Eloy hat zum Beispiel ein Quartett von ein katalanischen Komponist bearbeitet. Wer weiss, vielleicht werden wir auch bald keltische Musik spielen.

– Wie bearbeiten Sie die Werke, die nicht für Saxophon-Quartett geschrieben wurden?

Als Saxophonisten sind wir gewöhnt, Stücke zu spielen, die nicht für unser Instrument geschrieben wurden. Deswegen bearbeitet derjenige, der normalerweise das Stück vorschlägt, das Werk auch selbst. Eloy hat letztes Jahr das Streichquartett “Vistes al Mar” von dem katalanischen Komponist Eduard Toldrà bearbeitet, ein Stück, das in Katalonien bekannt ist, aber nicht in Deutschland und noch nicht auf dem Saxophon. Nach Möglichkeit transponieren wir Stücke sofort beim Spielen direkt aus der Originalpartitur, was eine sehr gute Übung ist! Stücke für Klavier oder Orchester sind besonders spannend zu bearbeiten: wir müssen dann eine musikalische Wahl treffen wie die Frage nach der geeigneten Farbe von einer Melodie oder die Frage nach der Wahl der jeweiligen Lage (z.B. Alt- oder Tenorsaxophon).

– Welchen stilistischen Schwerpunkt setzen Sie trotz der Bandbreite Ihres Repertoires?

Das Saxophon wurde 1840 von Adolphe Sax erfunden. Das heißt, dass das Saxophon nur 175 Jahre Geschichte hat, was natürlich ganz wenig ist in der Musikgeschichte. Es ist dann eine der größten Aufgabe eines Saxophonisten, unser Repertoire zu erweitern. Weil man als Saxophonist keine feste Stelle in einem Orchester haben kann, sind wir gewöhnt, unsere Konzerte und musikalischen Projekte selbst zu suchen, und dadurch immer offen zu sein gegenüber neuem Repertoire. Es ist schwer zu sagen, welchen Schwerpunkt wir setzen. Wir mögen gerne Werke bedeutender Komponisten, die für Saxophonquartett geschrieben haben, wie Alexander Glazunow oder Florent Schmitt. Deswegen kann man uns als klassisches Saxophonquartett bezeichnen, aber die Arbeit mit zeitgenössischen Komponisten interessiert uns sehr, wie Sie am 3.10. hören können.

– Welche Bedeutung hat die Improvisation auf dem Saxophon für Ihr Spielen?

Die Improvisation ist für uns ein Weg, um unsere Ideen auszudrücken. Sie ist der Weg, mit dem wir die Möglichkeiten finden können, pure Expression ohne Grenzen.

– Welche Ziele haben Sie in der Zukunft?

Wir würden gerne unsere erste CD aufnehmen. Wir haben bereits Ideen und wir haben uns schon ein Programm dafür überlegt. Wir möchten gerne konzertieren, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Länder, in denen noch nicht gespielt haben.

Die Fragen stellte Arno Krokenberger